E-Bons: Produkt­manager David Petzold über nach­haltiges Kassieren

08.07.2022

David Petzold, Produktmanager bei autemio, hat eine klare Meinung zum Thema Nachhaltigkeit und Müllvermeidung. Er ist sich sicher: E-Bons können ein Aspekt beim Klimaschutz sein. Im Gespräch mit Moderatorin Claudia Bechstein dreht sich beim Businesstalk am Kudamm alles um die Digitalisierung im Finanzwesen.

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Die Kassen-App autemio steht für die Digitalisierung im Finanzwesen. Darum soll sich heute alles drehen. Was ist Ihre Aufgabe bei autemio?

 

Ich bin Produktmanager bei autemio, einem Anbieter für Kassensoftware. Zu meinen Kernaufgaben zählt es, die Anforderungen der Kunden an das Produkt zu erkennen und zu bewerten. Dabei berücksichtige ich interne und externe Stakeholder. Mit intern meine ich zum Beispiel unsere Firma, die nicht unbegrenzt Kapazitäten für die Entwicklung hat. Externer Stakeholder ist unter anderem der Gesetzgeber, der bestimmte Voraussetzungen fordert. Auf dieser Basis definieren wir konkrete Projekte und bringen sie in eine sinnvolle Reihenfolge. Dabei entsteht eine Roadmap.

 

Anschließend ist es meine Aufgabe, ein großes Projekt in einzelne Arbeitspakete herunterzubrechen, die dann zu meinen Kollegen in die Entwicklung wandern. Das Ganze ist mit extrem viel Kommunikation mit den Kunden, der Geschäftsführung sowie meinen Kollegen verbunden. Mir liegt es dabei am Herzen, nah am Kunden zu sein. Erst vor Ort erkennt man die Probleme, wie zum Beispiel eine fehlende Netzabdeckung im ländlichen Raum. Deswegen haben wir uns bei autemio entschieden, das Kassensystem komplett offline-fähig zu halten.

 

Darüber hinaus haben wir uns die Prozesse genau angesehen: Wie arbeiten die Kunden mit der Kasse? Was gilt es im Kassierablauf zu beachten und wie können wir dabei mit autemio helfen? Die wichtigsten Attribute unsere Kassensoftware haben wir dabei immer im Fokus: Einfachheit, Flexibilität und Sicherheit.

Wie bezahlen Menschen heute? In Schweden ist es bereits absolut üblich, mit App und Kreditkarte zu zahlen. Hier zu Lande haben doch noch viele ihr Bargeld in der Tasche. Woran liegt das?

 

Spannende Frage. Ich denke, dass muss man sowohl aus dem Blickwinkel der Endkonsumenten als auch der Händler betrachten. Bei den Konsumenten ist es tatsächlich so, dass 60 Prozent elektronisch zahlen und der Rest weiterhin in bar. Als Gründe dafür werden immer die gleichen Bedenken genannt: Datenschutz, Sicherheit und fehlende Kostenübersicht.

 

Interessant ist, dass diese Sorgen sich nicht in allen Altersgruppen gleich widerspiegeln. Es sind vor allem die älteren Generationen, die deutlich skeptischer und vorsichtiger gegenüber elektronischen Zahlungsmöglichkeiten ist. Die Jüngeren haben eine viel höhere Affinität für bargeldloses Bezahlen und damit steigt der Anteil immer weiter. Darüber hinaus gibt es externe Ereignisse, die das Ganze befeuern. Beispiel Corona-Pandemie: Die Nutzerzahlen sind um zehn Prozent angestiegen, weil Barzahlung deutlich unhygienischer ist.

 

Auf Händlerseite gibt es drei große Barrieren: Dazu gehört unter anderem die fehlende Netzabdeckung im ländlichen Raum, da sind uns die skandinavischen Länder weit voraus. Außerdem besteht Angst vor hohen Kosten sowie administrativen Herausforderungen. Deswegen war uns ganz wichtig, dass wir mit unserem Kassensystem sowohl Bar- als auch elektronische Zahlungen abbilden. Gerade für Kleinunternehmer können elektronische Varianten zum Alleinstellungsmerkmal werden.

Ist bereits Druck von den Endkonsumenten zu spüren, dass die Händler neue Zahlmöglichkeiten anbieten sollen?

 

Sicherlich. Die ersten Kleinunternehmer wie Imbissbuden-Besitzer oder Foodtruck-Betreiber bieten längst elektronische Möglichkeiten an. Wenn sich das immer weiter durchsetzt, wird irgendwann auch den letzten Anbietern kaum noch eine Alternative übrigbleiben.

Kassen­sicherungs­verordnung, TSE, Belegausgabepflicht: All diese Begriffe haben in letzter Zeit für sehr viel Aufregung gesorgt. Was steckt dahinter?

 

Das Thema ist sehr komplex und vielschichtig. So kurz wie möglich zusammengefasst: Die Kassensicherungsverordnung gibt vor, wie Unternehmen ihre Kassen gegen eine nachträgliche Manipulation von Umsätzen sichern müssen. Um Steuerhinterziehung zu verhindern, muss jede Kasse mit einer sogenannten TSE versehen werden. Die zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung protokolliert und speichert alle Eingaben der Kasse und verhindert, dass diese im Nachgang geändert werden können. Außerdem muss für jede Transaktion ein Beleg ausgestellt und dem Kunden zur Verfügung gestellt werden.

Thema Belegausgabepflicht: Muss es immer einen Papier-Kassenbon geben oder geht das mittlerweile auch elektronisch?

 

Grundsätzlich muss der Beleg nach einer Transaktion ausgehändigt werden, der Kunde kann allerdings darauf verzichten, den Bon mitzunehmen. Daraufhin darf das Unternehmen den Kundenbeleg vernichten. Das führt im Zweifel dazu, dass ich als Unternehmer für einhundert Prozent meiner Transaktionen die Belege ausdrucke, der Löwenanteil meiner Kunden diese jedoch nicht mitnimmt und sie im Altpapier landen. Das ist weder kosteneffizient noch nachhaltig.

 

Der Gesetzgeber hat eine kleine Tür offengelassen und ermöglicht es, dem Kunden die Belege elektronisch zur Verfügung zu stellen. Der Käufer muss jedoch die Wahl haben. Mit autemio haben wir genau das umgesetzt und den E-Bon integriert. Praktisch kann der Kassierer beide Optionen anbieten, entweder gibt es einen Ausdruck oder der Kunde kann einen QR-Code für ein PDF-Dokument abscannen.

Nachhaltigkeit wird immer wichtiger, die unzähligen Belege täglich sind ein unglaublicher Müllaufwand. autemio ist damit Trendsetter und gleichzeitig Klimaschützer. Welche Rolle spielt bei eurer Entwicklung das Thema Ressourcen?

 

Ein flächendeckender Einsatz des E-Bons kann deutlich zur Schonung der Ressourcen beitragen und damit die Nachhaltigkeit stärken. Dazu ein praktisches Beispiel: Ein Unternehmer mit einer Kasse und circa 25 Kunden pro Stunde druckt pro Tag Kassenbons mit einer Gesamtlänge von 50 Metern. Im Jahr sind das 15 Kilometer. Natürlich wird man nicht alle dieser Papierbelege einsparen können, aber aus unserer Erfahrung einen Großteil.

 

Darüber hinaus weisen aktuelle Studien daraufhin, dass das Thermopapier der Kassenbons gesundheitsschädlich sein könnte. Aus dem ökologischen Aspekt bietet der E-Bon damit eindeutig Vorteile.

Neben dem Klimagedanken, was bietet ein digitaler E-Bon noch an Vorteilen gegenüber dem Papier-Bon?

 

Wenn ein Unternehmer ressourcenschonend arbeitet, merkt er das ganz praktisch am eigenen Geldbeutel. Mit 15 Kilometer Bon-Papier im Jahr sind Kosten von rund 200 Euro verbunden. Die könnte sich der Unternehmer einsparen.

 

Es gibt aber nicht nur monetäre Vorteile, sondern der E-Bon kann auch zu einem verbesserten Image des Unternehmens beitragen. Mit so einer innovativen und modernen Technologie bleibt das Geschäft im Gedächtnis der Kunden hängen.

Aus der Sicht der Kunden, was ergeben sich für weitere Benefits?

 

Jeder von uns weiß, wie viel Altpapier sich nach ein paar Wochen im eigenen Portemonnaie ansammelt – vom letzten Tankbon über die Restaurantrechnung bis hin zum Wocheneinkauf. Letztlich landen diese doch fast immer im Papierkorb.

 

Darüber hinaus haben viele sicher schon festgestellt, dass ein Kassenbon nach längerer Zeit verblasst und ausbleicht. Das heißt: Wenn ich den Beleg für einen späteren Garantiefall aufbewahre, muss ich ihn digitalisieren. Diesen Aufwand ersparen sich die Kunden mit dem E-Bon, der direkt als PDF-Dokument abgespeichert werden kann. Auch als Ablage für die nächste Steuererklärung ist der elektronische Bon eine praktische Lösung. Die benannten Dateien vermeiden aufwendiges Suchen, ein weiterer charmanter Vorteil.